Offener Brief an ein Museum

Wien, am 11.05.2015

Liebes Museum,

solche Praktika solltest du wirklich überdenken. Auch ich habe mich letztes Jahr um ein ähnliches Praktikum bei dir beworben (da hättest du sogar noch ein bisschen mehr gezahlt). Dass die Bezahlung für die Arbeit eher ausbeuterisch war, wusste ich (jaja, es gibt Schlimmeres). Wie viele andere dachte ich mir aber, dass es besser ist,  so ein Praktikum zu machen als nichts zu tun. Es geht ja darum Kontakte zu knüpfen, um dann endlich einmal einen „richtigen“ Job zu bekommen. Naiv dachte ich, dass ich bei guter Arbeit eventuell sogar eine Fixanstellung bei dir bekommen könnte. Was mir dann aber bei dem Bewerbungsgespräch gesagt wurde, hat mir die Augen geöffnet:

  • Du siehst deine Praktikant/innen als volle Mitarbeiter/innen, deshalb hast du (aka deine Fixangestellten im Marketing und in der Presse) keine Zeit für einen. Auch für die Einschulung kannst du keine Zeit aufwenden. Die wird von der/dem vorherigen Praktikant/in übernommen.
  • Du hast mir gesagt, dass ich nicht glauben sollte, neben dem Praktikum Zeit für etwas anderes – wie einen Job oder ein Studium –  aufwenden zu können.
  • Zumindest hast du gemeint, dass du darauf schaust, dass man als Praktikant/in nicht mehr als 40 h in der Woche arbeiten muss – außer vor Ausstellungseröffnungen.

Ich schätze dich als Museum sehr und hoffe aus diesem Grund, dass du in Zukunft mit jungen, motivierten Arbeitskräften besser umgehen wirst. Tipp: Halte dich dabei am besten so gut es geht an diese Richtlinie von Watchlist Praktikum.

Trotzdem möchte ich dir, liebes Museum, danken: Hätte ich nach dem Bewerbungsgespräch bei dir keine immense Frustration sowie Ohnmacht verspürt, wäre dieKulturvermittlung nie entstanden. Auf unserer Seite ist neben anderen Sachen eine fairere Jobbörse zu finden. Ich hoffe, dass auch du eines Tages mit deinen Praktika bei uns vertreten sein wirst!

Zu guter Letzt möchte ich an dieser Stelle alle jungen, motivierten Leute dazu animieren, solche Sachen nicht mehr anzunehmen. Stellt euch vor es wäre Krieg, aber keiner geht hin.

Alles Liebe
Anna

Bildschirmfoto 2015-05-11 um 09.34.55



3 Antworten zu “Offener Brief an ein Museum”

  1. gapi sagt:

    Hauptsache es bewegt sich was in die richtige Richtung!

  2. gapi sagt:

    vielleicht hat ENDLICH ein A U S für die ausnutzenden Sklaventreiber begonnen. Meine Unterstützung ist euch gewiss!

    • Anna sagt:

      „Sklaventreiber“ ist zwar etwas übertrieben, aber mit dem Ausnutzen hast du schon recht. Dass es durch diesen offenen Brief ein AUS finden wird, bezweifle ich leider (auch wenn das die Idealsituation wäre). Gut würde ich finden, wenn sich viele Menschen zusammenfinden, um eine Neugestaltung des Praktikumswesen im Kulturbetrieb (aber auch sonst wo) zu diskutieren. Ich schlage z.B. vor, dass es statt so langen Praktika Traineeships (mit der Möglichkeit auf Fixanstellung) im Kulturbereich (insbesondere in öffentlichen Museen) Einzug halten sollten. Davon könnten beide Seiten profitieren!

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