Bohnenwerfen oder Japans Glücksgeheimnis

Hast du daheim jemals mit Bohnen geworfen? Ich glaube nicht, weil deine Eltern dir wahrscheinlich gesagt haben: „Du darfst nicht mit dem Essen spielen!“ Was normalerweise nicht gern gesehen wird, gehört am 3. Februar in Japan zum guten Ton. Denn an diesem besagten Tag findet dort ein traditionelles Fest statt, das Setsubun (節分) heißt und welches mit Jahreszeitenwechsel übersetzt werden kann.
Im alten Kalender Japans ist am 3. Februar Frühlingsanfang. Und mit dem Setsubun-Fest, das vor allem ein Familienfest ist, werden mit den Bohnen der Winter und alle bösen Geister aus dem Zuhause vertrieben.
Als ich klein war, haben wir das Setsubun-Fest auch jedes Jahr im Kindergarten gefeiert. Zuerst haben wir eine kleine Origami-Sternschachtel gefaltet, in die wir dann die Sojabohnen hineingegeben haben. Aber du kannst auch andere Schachteln als Behälter verwenden.

Origami-Sternschachtel

Eine Origami-Sternschachtel mit Glücksbohnen

Bevor jedoch die Bohnen in die Schachteln kommen, bereitet man sie in einer 3-tägigen Vorgangsweise zu:

  1. Tag: Sojabohnen in Wasser einweichen.
  2. Tag: Sojabohnen vom Wasser absieben und auf einer Zeitung ausbreiten. Gut trocknen lassen!
  3. Tag: Im Backofen bei 140 Grad ca. 80 Minuten backen.

Entstanden ist ein knuspriger Sojabohnensnack (Fuku-Mame, 福豆). Die Bohnen dieses Sojabohnensnacks werden auch als Glücksbohnen bezeichnet.

Beim Setsubun-Fest solltest du, nachdem die Bohnen in die Schachteln aller Beteiligten verteilt wurden, so viele Glücksbohnen essen wir du Jahre alt bist. Auf diese Weise wünscht du dir Gesundheit für dein Leben. Erst danach beginnt das Bohnenwerfen. Dabei spielen die Hausherrinnen bzw. Hausherren mit einer Maske die Teufel (Oni, 鬼), die durch das Bohnenwerfen vertrieben werden sollen. Die Bohnen werden im Eingangsbereich, auf dem Balkon, im Garten und in jedem Zimmer – außer Toilette und Badezimmer – geworfen. Beim Werfen wird „Oni-wa-soto!“ (鬼は外!, Teufel raus!) und „Fuku-wa-uchi!“ (福は内!, Glück herein!) gerufen. Indem physisch viel Schmutz gemacht wird, reinigst du dich psychisch vom vorherigen Jahr.

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Der Hausherr und die Hausherrin mit den Teufelsmasken

Es gibt auch eine spezielle Sushiart für das Setsubun-Fest, die man vor oder nach dem Bohnenwerfen isst. Sie heißt Ehou-maki (恵方巻). Ehou (恵方) bedeutet Glücksrichtung und Maki (巻) steht für Rolle. Nori ( 海苔, Algenblatt) und Sushireis werden mit sieben (die 7 ist in Japan ebenfalls eine Glücksnummer) verschiedenen Füllungen zu einer großen dicken Rolle geformt, die von der Person, die sie gerollt hat im Ganzen gegessen wird.

Damit dir das Glück im neuen Jahr nicht aus den Fingern rutscht, solltest du das Ehou-Maki im Stillen verzehren. Das ist der schwierigste Teil des Setsubun-Festes, der dich die japanische Disziplin erfahren lässt. Außerdem solltest du dich der Glücksrichtung, die sich von Jahr zu Jahr ändert, zuwenden. Falls du dich schon gefragt hast: Dieses Jahr war sie Süd-Süd-Ost.

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Damit dir das Glück gnädig ist, solltest du dir exakt sieben Füllungen für deine Glücksrolle aussuchen.

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Die fertige Glücksrolle wird im Ganzen gegessen.

(Toshimi, dieKulturvermittlung, 09.02.2016)
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Toshimi ist in Japan geboren und aufgewachsen und arbeitet momentan als Floristin in Wien. Daneben ist es ihr eine besondere Freude, ihre japanische Kultur – besonders ihre Kochkünste – mit anderen zu teilen. Das Setsubun-Fest ist ihre japanische Lieblingstradition. Es gab noch kein Jahr in dem sie das Bohnenwerfen am 3. Februar ausließ.

Bildnachweis: (cc) dieKulturvermittlung



Eine Antwort zu “Bohnenwerfen oder Japans Glücksgeheimnis”

  1. Frank Krause sagt:

    Danke für den interessanten Artikel. Ich wünsche, dass das Glück ein ganzes Jahr zu spüren ist. Leider beginnt bei uns der Frühling später, als in Japan.

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